Trinkgeld bei Lieferdiensten — Lieferando, Wolt, Uber Eats & mehr

Wie viel Trinkgeld für Lieferfahrer in Deutschland, Österreich und der Schweiz? Plattformen, Normen und praktische Tipps.

6 min read · Aktualisiert

Die kurze Antwort

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Trinkgeld bei Lieferungen üblich, aber nicht verpflichtend. Für eine normale Lieferung sind 1-3 € angemessen. Bei größeren Bestellungen oder schwierigen Bedingungen (schlechtes Wetter, weite Strecke, viele Treppen) sollte es etwas mehr sein — 5-10% des Bestellwerts oder mindestens 2-5 €.

Anders als in den USA, wo ein Trinkgeld praktisch obligatorisch ist, gilt Trinkgeld bei uns als freiwilliges Zeichen der Wertschätzung. Allerdings hat sich die Arbeitswelt der Lieferfahrer durch die App-Ökonomie deutlich verändert, und ein Trinkgeld ist für viele zu einem wichtigen Teil ihres Einkommens geworden.

Wie Lieferfahrer bezahlt werden

Lieferando (ehemals Lieferheld / Foodora)

Lieferando ist der größte Lieferdienst in Deutschland. Ein wichtiger Unterschied zu vielen anderen Plattformen: Lieferando beschäftigt einen großen Teil seiner Fahrer als Angestellte — nicht als Freiberufler. Das bedeutet Mindestlohn, Sozialversicherung und feste Arbeitszeiten.

Trinkgeld bei Lieferando kann in der App oder bar gegeben werden und geht vollständig an den Fahrer. Da die Fahrer ein Grundgehalt erhalten, ist das Trinkgeld hier weniger existenziell als bei anderen Plattformen — aber dennoch willkommen. Der Mindestlohn deckt nicht unbedingt die tatsächlichen Lebenshaltungskosten, besonders in Städten wie München, Hamburg oder Frankfurt.

Wolt

Wolt ist in vielen deutschen und österreichischen Städten aktiv. Die Fahrer sind überwiegend selbstständige Kuriere, die pro Lieferung bezahlt werden. Das Basishonorar variiert, liegt aber häufig bei nur 2-4 € pro Fahrt. Trinkgeld kann über die App gegeben werden und wird vollständig an den Fahrer weitergeleitet.

Uber Eats

Uber Eats arbeitet in Deutschland mit selbstständigen Fahrern. Die Vergütung pro Lieferung basiert auf Distanz und geschätzter Dauer. Trinkgeld kann vor oder nach der Lieferung in der App hinzugefügt werden. Die Fahrer sehen ein voreingestelltes Trinkgeld, bevor sie den Auftrag annehmen.

Die schnellen Lieferdienste für Lebensmittel (die in 10-15 Minuten liefern) haben eigene Modelle. Viele ihrer Fahrer sind angestellt und erhalten einen festen Stundenlohn. Trinkgeld ist in diesen Apps nicht immer eine prominente Option, wird aber trotzdem geschätzt — insbesondere wenn der Fahrer schwere Einkäufe bis zur Wohnungstür trägt.

Pizza und traditionelle Lieferung

Die Pizzalieferung gibt es in Deutschland seit Jahrzehnten, und die Trinkgeldnormen sind gut etabliert:

Pizzalieferfahrer sind in der Regel beim Restaurant angestellt und verdienen den Mindestlohn plus eine Kilometerpauschale. Trinkgeld ist ein wichtiger Zusatzverdienst, aber die Fahrer sind durch ihre Anstellung besser abgesichert als Gig-Worker.

Lebensmittellieferung

Ob über Rewe, Bringmeister, Picnic oder Flink — die Lieferung von Lebensmitteln ist körperlich anspruchsvolle Arbeit:

Empfehlungen:

Viele Leute vergessen: Der Lieferfahrer von Getränkelieferungen (z.B. Flaschenpost) schleppt manchmal Dutzende Kisten Wasser zu Ihrer Tür. Das ist körperliche Schwerstarbeit und verdient ein großzügiges Trinkgeld.

Trinkgeld vorher oder nachher?

Die deutsche Perspektive

In Deutschland gibt man Trinkgeld traditionell nach dem Service — an der Tür, in bar. Die Apps haben das teilweise geändert:

Empfehlung

Bar an der Tür ist nach wie vor die direkteste und für den Fahrer angenehmste Methode. Wenn Sie bargeldlos bezahlen, nutzen Sie die Trinkgeldfunktion der App. Wichtig: Bei Uber Eats beeinflusst ein voreingestelltes Trinkgeld, wie schnell Ihre Bestellung angenommen wird — ein Trinkgeld von 0 € kann dazu führen, dass Ihre Bestellung lange auf einen Fahrer wartet.

Wann Sie mehr geben sollten

Schlechtes Wetter

Regen, Schnee, Sturm oder extreme Hitze — wenn Sie Essen bestellen, weil Sie nicht rausgehen wollen, fährt der Lieferfahrer genau in diesem Wetter. Mindestens 2-3 € extra sind dann angebracht. Im deutschen Winter, wenn Fahrradkuriere bei Minusgraden und Glatteis unterwegs sind, ist Großzügigkeit besonders angemessen.

Weite Entfernung

Wenn das Restaurant weit entfernt ist, verbringt der Fahrer mehr Zeit mit Ihrer Lieferung. Das bedeutet weniger Lieferungen pro Stunde und geringerer Verdienst. Mindestens 3-5 € bei langen Strecken.

Schwierige Bedingungen

Wann weniger Trinkgeld in Ordnung ist

Nicht jede Lieferung verdient das gleiche Trinkgeld:

Besonderheiten in Österreich und der Schweiz

Österreich

Die Trinkgeldkultur in Österreich ist der deutschen sehr ähnlich. Lieferando und Wolt sind die großen Plattformen. 1-3 € sind Standard, und wie in Deutschland wird gerne aufgerundet.

Schweiz

In der Schweiz sind die Lebenshaltungskosten deutlich höher, und das Trinkgeld sollte entsprechend angepasst werden. 2-5 CHF für eine normale Lieferung, 5-10 CHF bei schwierigen Bedingungen oder großen Bestellungen. Die Löhne sind generell höher, aber die Gig-Economy-Fahrer profitieren nicht immer davon.

Für Deutsche im Ausland

Wenn Sie in den USA, Kanada oder anderen Ländern mit starker Trinkgeldkultur Essen bestellen, gelten ganz andere Regeln. In den USA wird ein Trinkgeld von 15-20% oder mindestens $3-5 erwartet. Kein Trinkgeld zu geben gilt als unhöflich. Schauen Sie sich unseren Leitfaden für Restauranttrinkgelder an für mehr Informationen.

Fazit

Trinkgeld bei Lieferungen in Deutschland ist freiwillig, aber für viele Fahrer — besonders die Selbstständigen auf Plattformen wie Wolt und Uber Eats — ein wichtiger Teil ihres Einkommens. 1-3 € Standard, mehr bei schlechtem Wetter, weiten Strecken oder schweren Bestellungen. Es ist ein kleiner Betrag für Sie, aber er macht einen großen Unterschied für den Menschen, der Ihr Essen durch den Regen bringt.

Nutzen Sie unseren Trinkgeldrechner, um den passenden Betrag für Ihre nächste Bestellung zu berechnen. Und für Trinkgeldtipps in anderen Situationen besuchen Sie unsere Trinkgeld-Guides.